Ergibt sich nach der Funktionsprüfung eine Sanierungserfordernis, so sind große Schäden kurzfristig  sanieren zu lassen. Bei mittleren Schäden (Schadensklasse B) ist eine Sanierung innerhalb von 10 Jahren durchzuführen. Geringe Schäden müssen nicht saniert werden.

Unser gemeinsames Ziel sollte sein, möglichst bald alle Abwasserkanäle wieder in einen so guten Zustand zu bringen, dass unser Trinkwasser,  unsere Böden und unsere Gebäude optimal geschützt sind. Der Zeitpunkt der Sanierung ist abhängig von den festgestellten Schäden. Grundsätzlich sollte allerdings beachtet werden, dass nicht jeder Schaden umgehend behoben werden muss. Anhand der Schadensbilder ergeben sich unterschiedliche Sanierungsmöglichkeiten und Sanierungszeitpunkte. Die Entscheidung, ob und wann eine Sanierung erforderlich ist, trifft - vorbehaltlich wasser- und bodenschutzrechtlicher Entscheidungen der zuständigen Ordnungsbehörden - die Gemeinde. Dabei kann eine Orientierung an dem vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft und Natur Verbraucherschutz des Landes Nordrhein Westfalen herausgegebenen Bildreferenzkatalog - private Abwasserleitungen- hilfreich sein.

Gesetzliche Forderung gem. SüwVO Abw NRW 2013:
(1) Grundstückseigentümerinnen und Grundstückseigentümer haben große Schäden an Abwasserleitungen kurzfristig zu sanieren oder sanieren zu lassen. Mittelgroße Schäden sind in einem Zeitraum von zehn Jahren zu sanieren. Bei Bagatellschäden ist eine Sanierung in der Regel vor der Wiederholungsprüfung nach § 8 Absatz 8 nicht erforderlich. § 8 Absatz 6 gilt entsprechend.
(2) Über mögliche Abweichungen von den Sanierungsfristen kann die Gemeinde nach pflichtgemäßem Ermessen im Einzelfall entscheiden. § 60 Absatz 1 und 2 des Wasserhaushaltsgesetzes vom 31. Juli 2009 (BGBl. I S. 2585) in der jeweils geltenden Fassung sind zu beachten.

Zur Festlegung der richtigen Sanierungsstrategie sollte eine kompetente Beratungsstelle aufgesucht werden. Die Grundstückseigentümer stehen oft vor der Frage, welches Sanierungsverfahren am besten geeignet und am wirtschaftlichsten ist. Treffen Sie diese Entscheidung am besten gemeinsam mit dem Sachkundigen, der die Dichtheitsprüfung durchgeführt hat oder mit einem Sanierungsfachmann, beispielsweise einem zertifizierten Kanalsanierungsberater.

Eine Auswahl geeigneter Sanierungsberater finden Sie z.B. unter www.zks-berater.de Auch Ihre persönlichen Planungen, wie z. B. größere Umbaumaßnahmen am Gebäude sollten in eine Sanierungsplanung einbezogen werden. Grundsätzliche Auskünfte zu Sanierungsverfahren und Sanierungsfristen erhalten Sie bei Ihrer Gemeindeverwaltung.

Ein kompetenter Berater berücksichtigt auch folgende Aspekte:
  • Ist das Grundstück ausreichend gegen Rückstau gesichert?
  • Können ggf. bestehende Leitungsverläufe aufgegeben werden?
  • Sind in naher Zukunft größere Umbaumaßnahmen am Gebäude geplant? 
Welche Arten der Sanierung gibt es?
Die Wahl der Sanierungsverfahren ist abhängig von den festgestellten Schäden sowie der Zugänglichkeit. Heutzutage ist dabei in vielen Fällen eine Sanierung ohne Aufgraben der Leitung (grabenloses Verfahren) möglich. Die Bauzeit sowie die Unterbrechung des Abwasserabflusses werden dabei auf ein Minimum beschränkt. Die grabenlose Sanierung ist meist die preiswertere Alternative. Eine Sanierung in offener Bauweise bietet sich dann an, wenn die grabenlose Sanierung nicht möglich oder nicht wirtschaftlich ist.


Je nach Schadensbild bieten sich grundsätzlich drei Möglichkeiten:

  • Reparatur von Einzelschäden (z.B. durch Robotereinsatz)
  • Renovierung einer kompletten Leitung (Inlinerverfahren)
  • Erneuerung einer kompletten Leitung 
  Sanierung im Inlinerverfahren 
 
(Quelle: visaplan)
 Erneuerung in offener Bauweise  (Quelle: visaplan)  

Ist die Reparatur oder Renovierung des Hausanschlusses aufgrund von umfangreichen Schäden oder Unzugänglichkeit nicht möglich, muss die komplette Leitung erneuert werden. Als sichere und preiswerte Alternative hat sich hierbei die Neuverlegung der schadhaften Grundleitungen unter der Kellerdecke statt wie bisher unter der Grundplatte erwiesen. Diese freizugänglichen Leitungen müssen zukünftig nicht mehr auf Dichtheit geprüft werden.

 Abgehängte  Schmutzwasserleitung 
 
(Quelle: ikt)
  
 
   Erneuerung durch Abhängung
 der Schmutzwasserleitungen
 
(Quelle: visaplan)

Weitere Details über die verschiedenen Sanierungsverfahren zeigt unser Film.

Mit welchen Sanierungskosten müssen Sie rechnen?
Die Sanierungskosten sind natürlich sehr stark abhängig vom Zustand und von der Länge des Abwasserkanals, dem gewählten Sanierungsverfahren und den örtlichen Randbedingungen. Je nach Sanierungsverfahren können im Normalfall ungefähre Sanierungskosten zwischen 200 Euro und 400 Euro pro Meter anfallen. Im Einzelfall können auch höhere Kosten entstehen.

Worauf sollten Sie bei der Beauftragung der Sanierung achten?
Zum Teil bieten die Sachkundigen auch an, die Sanierung direkt mit auszuführen. Wir empfehlen Ihnen jedoch, für die Sanierungsleistungen Vergleichsangebote von verschiedenen Fachbetrieben einzuholen. Bei den Fachbetrieben sollten Sie darauf achten, dass diese auch tatsächlich die ausreichende fachliche Qualifikation und Leistungsfähigkeit haben, um die angebotenen Sanierungsverfahren ordnungsgemäß und fachgerecht durchführen zu können. Lassen Sie sich Referenzen vorlegen. Ein Kriterium für die Fachkunde und Leistungsfähigkeit kann beispielsweise auch eine freiwillige Gütesicherung und Fremdüberwachung -  zum Beispiel durch die Gütesicherung Kanalbau - sein. Dort geführte Fachfirmen können Sie unter http://www.kanalbau.com finden.

Nach Durchführung einer Sanierung ist ebenfalls empfehlenswert, die abschließende Dichtheitsprüfung nicht von dem ausführenden Unternehmen, sondern von einem unabhängigen Sachkundigen durchführen zu lassen. Auf diese Weise erhalten Sie eine zusätzliche Sicherheit, dass die Sanierungsarbeiten erfolgreich durchgeführt wurden. Eine Verpflichtung hierzu besteht jedoch nicht.